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Dissonate
Evgenija Wassilew

Opening: Freitag, 15. Oktober, 7 p.m.
16. Oktober – 30. Oktober 2010
Thu, Fri, Sat, 3-7 p.m.



Schalter freut sich, Dissonate zu präsentieren, eine Ausstellung der deutsch-französischen Künstlerin Evgenija Wassilew. Ihre im letzten Jahr entstandenen Arbeiten berühren Grenzen und Möglichkeiten der Kommunikation. Wassilew interessierte sich für Gesangskompositionen kleiner Tiere – Stimmen, wie fremde Sprachen, zwischen Musik und Geräusch. Die für die Arbeiten initiierten Situationen erinnern an Methoden der Verhaltensforschung, verfolgen aber einen romantischen Ansatz: das Möglichwerden des Unwahrscheinlichen.

In der Rauminstallation Sonate für 63 Solo-Violinen bietet ein Lautsprechergehäuse tropischen Lebensraum für Mittelmeergrillen. Die dort lebenden Grillen werden durch den dritten Satz von Béla Bartóks Solo Violinsonate zum Mitzirpen angeregt: Fuga – Risoluto, non troppo vivo. Ein Mikrofon im Lautsprecher leitet die Töne in einen digitalen Harmonizer, der zwischen Geigenstück und Insekten interagiert: Der Harmonizer passt die Tonhöhe des Gezirps an die Noten der Violine an – je nach Temperament der Insekten und Tempo der Geige bewegt sich das Unternehmen zwischen Scheitern und Gelingen. Hochtöner im Lautsprecher geben das verstärkte Zirpen zeitgleich wieder.

Die zweite Arbeit Melos Amoris dokumentiert den Versuch, den Gesang eines Buckelwals für balzende Hausmäuse zu übersetzen. Der Walgesang wurde hierfür in die Ultraschallfrequenz und Lautstärke der Mäuse verschoben und ihnen über einen definierten Zeitraum im Käfig vorgespielt. Ein Ultraschallmikrofon zeichnete die Geräuschkulisse im Käfig auf, auch die unter Einfluss der Waltöne entstandenen Balzgesänge der Mäuse. Für die Audio-CD wurden zehn Gesangssequenzen ausgewählt und in den menschlichen Hörbereich zurücktransportiert. Kopfhörer stehen für Hörproben zur Verfügung. Die gedruckten Tongrafiken können begleitend zu den Gesängen „mitgelesen“ werden.

Evgenija Wassilew studierte in der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris und erhielt ein DAAD-postgraduate Stipendium für die Universität der Künste in Berlin in 2008. Ihre Arbeiten wurden in Ausstellungen und Festivals in Europa gezeigt. Dissonate ist ihre erste Einzelaustellung in Berlin.

Melos Amoris entstand mithilfe der Geräte von Avisoft Bioacoustics, dank der großzügigen Unterstützung und freundlichen Hilfe von Raimund Specht.

Der 2006 gegründete Projektraum Schalter ist eine nicht kommerzielle Plattform, auf der aktiv über Kunst, Ausstellungen, deren Entstehung und Kontext nachgedacht wird. Der Projektraum wurde in dem Glauben gegründet, dass Ausstellungen selbst als eigene Kunstform existieren und funktionieren.